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Die Kapuzinerpredigt
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Solidarisch mit Sündernvon Br. Andreas Kaiser, Kapuziner |
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"Dem ärmsten Hund, dem verlassensten Luder wurde er Bruder" (L. Zenetti, Texte der Zuversicht, S. 260). Diese Worte haben mich nachdenklich gemacht. Ich las sie vor kurzem in einem Buch mit Meditationstexten über den christlichen Glauben. Sie wollen etwas über Jesus aussagen: Dem ärmsten Hund, dem verlassensten Luder wurde er Bruder! Luder, das geht zu weit, das sagt man einfach nicht." Aber hätten diejenigen recht, die an dieser Aussage etwas Verwerfliches finden, dann mii1te das heutige Evangelium etwa folgendermaßen lauten: "Johannes predigte am Jordan und sagte, alle Menschen sollten umkehren, ihr Leben ändern und zum Zeichen der Buße sich taufen lassen. Und viele kamen, bereuten ihre Sünden und empfingen die Taufe. Jesus hörte davon und sprach: Habe ich es etwa nötig, hinab zum Jordan zu gehen und mich von einem Menschen taufen zu lassen, der ja selbst über mich sagt: >Es kommt aber einer, der stärker ist als ich, und ich bin nicht wert, ihm die Schuhriemen zu lösen.? Schließlich bin ich Gottes Sohn. Und er empfahl anderen, zu Johannes zu gehen und als Zeichen der Umkehr die Taufe zu empfangen; er selbst jedoch blieb in Galiläa." Das Evangelium aber lautet anders: "Zusammen mit dem ganzen Volk ließ auch Jesus sich taufen" (Lk 3, 21). Jesus läßt sich von Johannes taufen. Er, der Herr, ordnet sich dem Knecht unter. Er, der Unschuldige, reiht sich ein in die Schlange der Schuldigen, zieht zusammen mit ihnen den Weg der Umkehr zum Jordan hinunter und beugt sich wie jeder andere tief in das Wasser hinab, um sich taufen zu lassen. Er stellt sich mit uns Menschen gleich, auf die unterste Stufe: Dem ärmsten Hund, dem verlassensten Luder wurde er Bruder. Er hat es nicht nötig, sich so zu erniedrigen; aber er tut es, aus Liebe zu uns. Gott bestätigt seine Haltung: "Du bist mein geliebter Sohn, dich habe ich erwählt" (Lk3, 22). Ein Grundzug unserer Erlösung: Gott nimmt uns an Jesus stellt sich in die Reihe der Sünder in diesem Verhalten wird ein wichtiger Grundzug unserer Erlösung deutlich: Jesus hat uns gerettet, indem er einer von uns geworden ist. Er hat nicht den Logenplatz einer Gottheit für sich beansprucht, sondern sich zu uns ins Parterre des menschlichen Lebens gesetzt. Er hat uns so angenommen, wie wir nun einmal sind. Er, der Schuldlose, hat sich unter die Sünder zählen lassen und sich mit ihnen solidarisch erklärt: unter Schuldigen läßt er sich taufen, mit Zöllnern und Sündern sitzt er am Tisch, zwischen zwei Verbrechern stirbt er. Das ist der Weg unserer Erlösung: Gott hat uns angenommen, so wie wir sind. Er ist uns gleich geworden in allem, außer der Sünde, sagt Paulus. Die Haltung des Christen: den Mitmenschen annehmen In dieser Grundhaltung Jesu, in diesem Grundzug unserer Erlösung finde ich einen Hinweis, wie ich mich als Christ zu meinen Mitmenschen verhalten soll. Den Nächsten lieben, das heißt für mich konkret, ihn so anzunehmen, wie er ist. Wenn der andere sich so verhält, wie ich es gerne haben möchte, dann fällt es mir leicht, ein Ja zu ihm zu sagen. Aber ihn auch dann zu bejahen, wenn er anders ist, als ich ihn mir wünsche da wird Nächstenliebe konkret. Meinen Mitmenschen annehmen, so wie er ist, das bedeutet für mich nicht, alles, was er tut, blindlings billigen. Ich muß ihn schon, wenn er meines Erachtens auf dem falschen Weg ist, mit meiner Meinung konfrontieren; denn nur so werde ich ihm helfen können, sich zu ändern. Aber das vermag ich nicht, indem ich an ihm schulmeisterlich herumziehe, sondern indem ich ihm zunächst zu verstehen gebe: Ich meine es gut mit dir; ich sage ja zu dir, auch wenn du anders bist. Erst wenn er das von mir spürt, wird er bereit sein, einen Rat von mir anzunehmen. Ein Beispiel soll dies verdeutlichen. Vor einigen Jahren fing in einer Familie der älteste Sohn an, einen anderen Lebensstil zu entwickeln, als die Eltern von ihm erwarteten. Der Sohn wurde der ganzen Familie zur Last. Heute sind die Schwierigkeiten vergessen. Der junge Mann fühlt sich zu Hause wieder wohl, und die Familie ist stolz auf ihn. Seinen Eltern sagte er einmal: Daß ich den Weg nach Hause zurückgefunden habe, das habe ich Euch zu verdanken; denn als ich in meiner kritischen Phase war, habt ihr Geduld mit mir gehabt und mich angenommen, obwohl ihr mein Verhalten nicht billigen konntet. Das hat es mir möglich gemacht, wieder zu mir selbst zu kommen und vernünftig zu werden. "Dem ärmsten Hund, dem verlassensten Luder wurde er Bruder." Das ist eine wichtige Aussage über Jesus, denn sie beschreibt die Haltung, in der er uns erlöst hat: Gott erklärt sich mit uns solidarisch, er nimmt uns an, so wie wir sind. Und wo sind für uns Menschen, die darauf warten, so angenommen zu werden? |