Fastnacht in Dieburg

(Holde, edle Tollitäten Prinz Thomas – Prinzessin Annika)
Liebe Narren aus fern und nah
seid herzlich begrüßt mit nem kräftig Älaaa!
In Eurer frohen Narretei
Wie jedes Jahr sind wir dabei.
Wir Kapuziner in dem Minnefeld
Freu´n uns, daß es Euch gefällt:
Vorbeizuschau´n, uns zu begrüssen,
Freude zu bringen und zu geniessen.
Uns ehrt das sehr –
Drum wir bewirten Euch gern in unserm Haus
zumal liebe Freunde uns helfen aus.
Kaffee, Schnittchen, Kuchen, Brot,
schnell ist´s gerichtet, ohne Not.
Schon zwanzig Jahr, ich recht belehrt?
Dieser schöne Brauch nun währt!
Zehn Jahr davon, ich tu nicht lügen,
ich schon dabei bin mit … Ver…gnügen.
Deshalb Guardian Berthold, listig, wie man ihn kennt,
macht mich zum Alterspräsident.
„Halt Du ne Rede, denk Dir was aus
Für Fastnachter mit Mann und Maus.
Sitzt Du mal fest, bist Du mal müde,
wir rufen Älaa – sei nur nicht prüde!“

Zwanzig, zehn - wir sind bei Zahlen, ach oh´ je –
Ne andere mir macht da Weh.
18 mal 20 – wer ist geschickt und wagt sich vor?
(…Na..? …Lauter! … alle!)
360 schallt´s im Chor!
Jawohl 360 noch plus zwei,
die Kapuziner hier in Dieburg sind mit dabei…
zu feiern Fastnacht jedes Jahr
ab 1650 – war für sie klar.

Weil Ostern naht, das Fest der Feste,
soll bleiben Zeit zu tun das Beste.
Die Hausfrau weiß ein Lied zu singen,
das Frühjahr ruft, den Staub zu bezwingen,
den Staub der sich in der Winterszeit
langsam ansammelt auf Teppich und Kleid
mit Schrubber und Lappen, mit Ata und Eimer,
Am End ist´s geschafft – ist alles viel reiner.
Was für das Äußere gilt – noch mehr für die Seelen,
Frühjahrsputz – Fastenzeit tut schon die Bibel empfehlen.
Jesus selbst beginnt sein öffentliches Leben
mit 40 Tagen in der Wüste anzuheben.
Sein Leben zu erneuern – tut eigentlich gut,
doch oft - oh weh - es fehlt häufig der Mut.
Gar manchmal erstaunt man nur zu sehr,
daß man im eignen Haus nicht Herr.

Um den Mut zu steigern, damit man ihn hat
Gilt´s auf die Pauke zu hauen bis man müde und matt.
Fastnacht zu feiern, tam- tam zu machen -
Die Sau raus zulassen, kräftig zu lachen.
Bis man nicht mehr will und sieht dabei ein:
„so kann´s nicht weiter geh´n, nein oh´ nein!“
Aschermittwoch, die Rettung, hilft aus dem Dilemma -
Maßhalten – sechs Wochen! – das ist der Renner.
Das Ziel ist die Karwoch, sie stellt uns vor Augen
Das große Geheimnis von unserem Glauben:
Jesus am Kreuz, er zeigt Gottes Liebe
die grenzenlos liebt, trotz Schmähung und Hiebe.
Die Liebe ist alles, besiegt selbst den Tod
Trotz Fehler und Sünde, trotz Kummer und Not.
Das Fest aller Feste- Ostern genannt
macht offenkundig in Stadt und Land:
Das Leben ist größer als mancher Mann glaubt -
dem Tod seinen Stachel hat Jesus geraubt.
Das Leben ist unser, wie es auch sei,
ob mit Schmerzen geschlagen oder gut Du dabei.

Drum haben wir Grund zum Lachen und Scherzen
Zum Singen und Schunkeln aus ganzem Herzen.
Es gibt was zu lachen – noch bis auf die Bahre
Unser Leben ist keine Kurzzeitware.
Oh, liebe Leut, das wollten wir künden
Wir Kapuziner uns mit allen verbünden:
362 Jahre, an diesem Ort
Wir kündeten Euch Gottes Wort.
Ihr eurerseits gabt uns Brot und Bohnen -
Der Herrgott möge es Euch lohnen.
Nun, seit langem, es ist Euch bekannt,
fehlt uns der Nachwuchs im ganzen Land.
Vor Jahren schon, es ist zu verdriessen,
wollte man dieses Kloster schliessen.
Ihr wußt´s zu verhindern mit Briefen und Fackeln
Die Zeit schreitet fort – zu Ende das Wackeln.
„Seid nicht traurig, liebe Narren,
Zeiten wechseln immer wieder
Mal geht´s bergauf und manchmal nieder.
So muß es sein wohl - das ist Leben
Einmal nehmen, einmal geben.

Der Mensch von heut´ - ein armer Tropf
- Verworfen ganz auf Seinen Kopf -
denkt „der Mensch hat nichts zu lachen“.
Alles muß er selber machen
Und am Ende steht ein Aus
- niemand, der Dich führt nach Haus.
Protestiert Ihr lieben Narren.
Und zitiert Ihn, der uns zeigt:
Gottes Zukunft steht uns offen –
Alles ist von ihm zu hoffen!

„Ich geh zum Vater!“ läßt er uns wissen,
„doch braucht ihr mich nicht zu missen.“
„Alle Tage werd´ ich bei Euch sein!“
„Seid getrost und laßt Euch ganz drauf ein.“
„Eure Freude wird euch niemand nehmen!“
„Auf! Ihr Lieben! Keiner, der Euch könnt beschämen!“

Feiert Fastnacht, froh und heiter
Tragt den alten Brauch gern weiter.
Hier in Dieburg seid so frei
Auch wenn wir nicht mehr dabei.

Eins fällt mir noch ein, ich will´s euch sagen
es treibt mich um, nimmt uns das Klagen:
Viktor Wick, ein weiser Mensch, den die ganze Gegend kennt,
weiß zu erzählen viel Geschichten
- von damals und heute - tut er berichten.
Die Fastnacht, die liegt ihm im Blut,
doch ist er auch für andres gut.
Die letzte Woch´ Herr Pfarrer Vogl ganz im Vertrauen zu ihm sprach:
„Ich muß gestehen Ihnen sehr,
das Geh´n der Kapuziner mich tut belasten schwer.
Nicht nur, daß einige gute Seelen,
mir in Zukunft tuen fehlen.
Nein, auch die Arbeit maßlos wird,
für mich allein als einz´ger Hirt.“

Der alte Herr nicht lange sinnt
- dann es seinem Mund entrinnt.
Mit seinen 92 Lenzen
und klarem Kopf, tut er nun glänzen.
Wie geistbegabt, ein Simeon,
hat er eine Antwort schon:
„Wir tun über unsere Verhältnisse leben!
In Kirche/ Gesellschaft, es braucht ein Beben!
In der Pfarrei, oh guter Mann,
da müssen alle nun fassen an.
Ich vertrau auf die Dieburger Art,
solidarisch, handfest und fromm man immer noch ward.
Es gab schon schlechtere Zeiten fürwahr,
Gott wird uns helfen, das ist mir klar.
Die Kapuziner, ich denk nicht an morgen,
die kommen wieder, ganz ohne Sorgen.
1822 man damals schrieb
ein böses Geschick sie alle vertrieb.
Aus dem alten Kloster an der Gnadenkapellen
Für Gefangene man machte Zellen.
Damals ging´s das erste Mal zu End,
keine 40 Jahr später das Blatt sich schon wend´.
Im Minnefeld, unsre Vorfahrn, die Schlauen,
was Neues ihnen begannen zu bauen.
Drum hab Geduld Herr Pfarrer Vogl - und dauert´s auch lang,
über die Zukunft der Kapuziner in Dieburg, da ist mir nicht bang“.

Mag recht er behalten, der alte Prophet,
daß, das Blatt sich mag wenden!? - doch wie es auch geht -
meine lieben Narren, ich bitt Euch, haltet dran fest:
an dem Wort vom Meister, das erscheint mir das Best:
haltet die Treue, die Liebe zu Gott,
den Nächsten im Auge, kurz ist sein Gebot!
Ich darf was ergänzen, mir immer dran lag
zur Meditation hin zu führen, so wie ich es mag:
Tief im Herzen da fließt eine Quelle
Wer sie findet – „erstürmt Mauern und Wälle“!
Ich will nun schliessen, liebe Narren,
dank für Geduld, Verzeihn und Harren,
für mich und viele, viele Brüder, die durch lange, lange Zeiten,
euch wollten dienen, Herzen weiten.
Lacht und seid fröhlich und vertraut,
daß dér auf keinen Sand gebaut
wer sich hält an Gottes Wort
hier und auch an anderm Ort.
Dem wird das Lachen nie vergehen,
denn es zeugt vom Geisteswehen.

Dieborsch… Älaaa…
A Capella „Junge komm bald wieder, bald wieder nach Haus…“
Br.Joachim Wrede

 
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