Ursprünge
Es ist nicht mehr genau auszumachen, wann die Kapuziner zum ersten Mal nach Münster kamen. Es war kurz vor Beginn des Dreißigjährigen Krieges, 1611 oder 1612.
Sie kamen von Flandern, wo sie um 1585 mit der Gründung von Klöstern begonnen hatten. Ihr besonderer Förderer war Herr Dr. Gerhard Krane, der Stiftsdechant von St. Ludgeri. Er gewährte den Brüdern Unterkunft und bedachte sie für ihren Lebensunterhalt mit den notwendigen Geldmitteln. In Dankbarkeit erfüllten die Kapuziner den letzten Wunsch des Verstorbenen, in der Klosterkirche seine letzte Ruhe zu finden.
Nach langwierigen Verhandlungen mit den Organen der Stadt konnten die Kapuziner am 13. 01. 1617 ein Grundstück an der Krummenstiege im Kirchspiel St. Aegidii erwerben, auf dem sie am 30. 09. 1619 mit dem Bau des Klosters und einer kleinen Kirche begannen. Zur Finanzierung der Baukosten fanden sich zahlreiche Wohltäter. Ihrer gedenkt die Hauschronik, die ihre Namen in Dankbarkeit der Nachwelt überliefert hat. Bischof und Klerus, Stifte und Klöster, Adel und Volk, Auswärtige und Einheimische steuerten großzügig zum Klosterbau bei. An Maria Himmelfahrt 1621 konnte zum ersten Mal der Gottesdienst in der neuen Kirche gefeiert werden. Bisher hatte man den Gottesdienst in St. Ludgeri und in der Margaretenkirche auf der Domfreiheit gehalten. Die Konsekration der Klosterkirche erfolgte am 28. April 1626 durch den Dechanten von St. Ludgeri, Weihbischof Johann Nikolaus Klaessens.
Wachstum
Sparsamkeit und Armut bei der Errichtung des Klosters und der Kirche führten dazu, dass schon bald neue bauliche Maßnahmen notwendig wurden. 1685 wurde das Kloster erweitert. Für die Kirche wurde 1705 ein neuer Hochaltar erstellt, für den der Kapuzinerbruder Damian von Ratingen, Hofmaler des Kurfürsten von Köln, ein Bild malte, das sich heute in der Taufkapelle der Pfarrkirche zu Rheinberg befindet. Auch musste eine neue Kanzel geschaffen werden. Vermutlich schnitzte sie 1710 der Kapuzinerbruder Stephan aus Rüthen. Sie stellt in ihrem Unterbau die Übergabe des Evangeliums an Franziskus durch Christus dar. Sie steht noch heute in der Aegidiikirche zu Münster.
Tätigkeiten
Die Kapuziner wirkten vor allem in der Verkündigung des Wortes Gottes und in der Spendung der Sakramente. Besonders gefragt war ihre Tätigkeit im Beichtstuhl. Darüber hinaus entfalteten sie eine große karitative Tätigkeit, besonders in der Betreuung der Pestkranken. So opferten in dem einen Jahr 1635/36 von den 261 Mitgliedern der jungen Provinz allein 71 im Dienste der Pestkranken ihr Leben. Im Jahre 1666 starben noch einmal 57 Brüder. Die Kapuziner gingen auch regelmäßig in die Dörfer rund um Münster und halfen den Geistlichen in der Predigt- und Beichtstuhlseelsorge.
Neubau
Die Münsteraner besuchten gerne die Gottesdienste in der Kapuzinerkirche. So erwies sich die bei der Gründung des Klosters klein gebaute Kirche als zu klein. Deshalb beschlossen die Kapuziner einen Kirchenneubau. Als Baumeister wurde Johann Konrad Schlaun gewonnen. Er hatte schon beim Bau des Klosters und der Kirche in Brakel für die Kapuziner gearbeitet Später sollte er noch einmal (um 1730) für sie im Auftrage des Bischofs Clemens August beim Bau des Klosters innerhalb der Anlage des Jagdschlosses Clemenswerth tätig werden. 1724 wurde die alte Kirche abgerissen und 1725 der Grundsstein für die neue gelegt. 1727 war der Bau vollendet. Am 5. Dezember 1728 konsekrierte Bischof Clemens August die neue Kirche. Bekannt ist sie unter dem Namen Sankt Aegidii. Sie ist zwischen Aegidii- und Königsstraße in der Nähe des heutigen Aegidiimarktes zu finden.
Vertreibung
Einen tiefen Einschnitt in die Geschichte des Kapuzinerklosters Münster brachte die Säkularisation, durch die im Gefolge der französischen Revolution der Kirchenbesitz verstaatlicht und die Inbesitznahme geistlicher Territorien durch weltliche Fürsten als Entschädigung für an Frankreich verlorene linksrheinische Besitzungen durch den Reichsdeputationshauptschluss vom 25. 2. 1803 legitimiert wurden. Auch der Klosterbesitz wurde der Disposition der Landesherren überlassen, was Aufhebung und Enteignung der geistlichen Institute bedeutete. Vier Erzbistümer, 18 Bistümer sowie rund 300 Abteien, Stifte und Klöster wurden säkularisiert. Auch das Kapuzinerkloster in Münster unterlag diesen Maßnahmen. Die Säkularisation machte dem Wirken der Kapuziner in Münster ein Ende. Durch die zuständigen Behörden erging an die Brüder die Order, bis zum 4. 1. 1812 ihr Kloster zu verlassen. Sie durften nur persönliche Habseligkeiten mitnehmen. Alles Klostergut verfiel der öffentlichen Hand und wurde versteigert, die gottesdienstlichen Geräte nicht ausgenommen. Da man für das leer stehende Kloster keine richtige Verwendung hatte, wurde es 1828 abgerissen.
Rückkehr
45 Jahre nach der Auflösung des Konventes an der Ägidiistraße kehrten die Kapuziner, „als bessere Zeiten gekommen waren", wie der Hauschronist schreibt, nach Münster zurück. Hatten bei der ersten Klostergründung Brüder aus Flandern geholfen, so taten es nun Brüder aus Tirol und Holland. Da das alte Kloster in Münster nicht mehr stand, erwarben die Kapuziner 1857 am Stadtrand von Münster vor dem Neutor ein Grundstück und bauten darauf ein kleines Kloster mit einer kleinen Kirche. Am 3. Juli 1858 (in Erinnerung an diesen Tag feiern wir Kapuziner vom 26. bis 29. Juni 2008 das 150jährige "Ortsjubiläum")
benedizierte Bischof Johannes Georg Müller Kloster und Kirche. Er gilt als Gründungstag des neu erstellten Kapuzinerklosters. Vollendet wurde der Klosterneubau aber erst 1862. Am 20. Oktober 1862 konsekrierte Bischof Johannes Georg die Kirche zur Ehre der seligen unbefleckten Jungfrau Maria.
Die Kapuziner wirkten in den folgenden Jahren in Münster und in den umliegenden Ortschaften „sehr segensreich", wie der Chronist schreibt, bis jene traurige Zeit mit dem Namen „Kulturkampf hereinbrach.
Kulturkampf
Nach der Verkündigung des Dogmas von der Unfehlbarkeit des Papstes auf dem 1. Vatikanischen Konzil fürchtete vor allem Preußen unter Führung Bismarcks, die katholische Kirche werde unter Papst Pius IX. mit ihrer durch das Dogma bestätigten großen geistigen Gewalt in Zukunft in die Angelegenheiten des Staates hineinreden. Deshalb erließ Preußen Gesetze -besonders die „Maigesetze" - die sich direkt gegen die Belange der katholischen Kirche richteten. Sie wurden am 31. Mai 1875 noch verschärft durch das „Klostergesetz", durch das alle Orden mit Ausnahme der im Krankendienst stehenden aufgehoben und ihre Klöster geschlossen wurden. Das Kapuzinerkloster in Münster musste am 20. August 1875 seine Tore schließen. Verbittert schreibt der Chronist: „Der vom Klostergesetz vorgesehene äußerste Termin war eigentlich erst der 3. Dezember; doch die Regierung zu Münster beschränkte diese Galgenfrist auf weniger als die Hälfte dieser Zeit." Man bemühte sich, möglichst schnell den befürchteten Einfluss der Kirche auszuschalten.
neues Wachstum
Jedoch wurden durch Bemühungen kirchentreuer Abgeordneter im Reichstag und durch kluge Verhandlungen des Vatikans - Papst Leo XIII. war inzwischen zum Nachfolger Pius IX. gewählt worden - die Härte der Kulturkampfgesetze durch die Gesetzesnovelle vom 29. April 1887 gemildert. Die Orden wurden wieder zugelassen. Auf Antrag des Provinzialministers Alfons von Hadamar erlaubte das preußische Kultusministerium am 2. August 1887 die Wiedereröffnung des Kapuzinerklosters Münster.
Die folgenden Jahre waren geprägt von einem starken Wachstum der Rheinisch-Westfälischen Kapuzinerprovinz. Im Jahr 1887 traten 13 und in den beiden darauf folgenden Jahren 23 bzw. 19 Novizen in den Orden ein. Dieses Wachstum blieb auch in der kommenden Zeit ungebrochen. Um Raum für die auszubildenden jungen Kapuziner zu schaffen, beschloss die Ordensleitung, das Kloster Münster zu erweitern. 1901/02 war bereits die Kirche vergrößert worden. 1910/11 wurde das alte Kloster, das
1857/58 gebaut worden war, aufgestockt und ein neuer Gebäudeflügel nach Süden hin erstellt. So wurde genügend Platz geschaffen, ab 1911 das gesamte Theologiestudium nach Münster zu verlegen.
1941 wurde ein großer Teil des Klostergebäudes durch die Nationalsozialisten beschlagnahmt. Am 28. Oktober 1944 wurde das Haus durch Bomben fast ganz zerstört. Auch die Bibliothek ging in Flammen auf.
Die ersten Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg dienten dem Wiederaufbau. Die Kirche konnte zum Fest des heiligen Franziskus am 4. Oktober 1946 für den Gottesdienst wieder geöffnet werden. 1953/54 wurden die letzten Kriegsschäden beseitigt. Die Kirche erhielt ihr heutiges Aussehen. Der gesamte Westflügel mit Chorraum, Sakristei, Bibliothek und Wohnräumen wurden neu erstellt. Vierzig Jahre später wurde 1993/95 das Kloster von Grund auf renoviert und den heutigen Wohngewohnheiten in bescheidenem Rahmen angepasst. Dabei wurde auch eine Pflegestation für alte und kranke Brüder eingerichtet.
Heute
Das Kloster ist bis heute Ausbildungshaus der Rheinisch-Westfälischen Kapuzinerprovinz. Alle jungen Brüder kommen nach dem Noviziat nach Münster. Hier wird im „Juniorat" ihre Grundausbildung in franziskanische Geistigkeit vertieft. Hier beginnt für sie entweder das Studium, (Philosophie, katholische Theologie oder eine andere Disziplin) oder neben ihrem erlernten Beruf eine neue Fachausbildung.
Das Studium der jungen Brüder in Münster fand lange Jahre auf rein privater Ebene statt. Heute studieren die Kapuziner-Theologen an der kirchlich und staatlich anerkannten „Philosophisch-Theologischen Hochschule" in freier Trägerschaft der Rheinisch-Westfälischen Kapuzinerprovinz, die am Hohenzollernring angesiedelt ist. Sie vermittelt das „Diplom in katholischer Theologie" oder das „Lizentiat der Theologie".
Der Hochschule angeschlossen ist ein „Pastoralseminar", das die Studenten nach Beendigung des theologischen Grundstudiums auf die pastoralen Aufgaben im
kirchlichen Dienst und die Priesteramtskandidaten auf den Empfang der Priesterweihe vorbereitet. Darüber hinaus sind der Hochschule zwei Institute angeschlossen, das „Institut für Spiritualität" sowie das „Institut für Kirche, Managment und Spiritualität".
Im Kapuzinerkloster befindet sich eine große wissenschaftliche Bibliothek. Sie steht den Brüdern der Rheinisch-Westfälischen Kapuzinerprovinz, aber auch Nicht - Kapuzinern zu Studienzwecken zur Verfügung.
Präsenz
Angeschlossen ist dem Kloster Münster auch die Missionsprokur, die vor allem mit dem Kontakt zu den Brüdern der Rheinisch-Westfälischen Kapuzinerprovinz in Indonesien und Mexiko betraut ist
Bekannt sind die Kapuziner in Münster und im Münsterland durch vielfältige seelsorgliche Aufgaben wie Predigt und gottesdienstliche Aushilfen, durch Exerzitien sowie die Beichtpräsenz in der Klosterkirche und im Dom und durch die Krankenhausseelsorge im St.-Franziskus-Hospital. Nach dem Vorbild des heiligen Franziskus von Assisi sind die Kapuzinerbrüder bemüht, durch ihr Leben und bei ihrer Arbeit das Evangelium Jesu Christi zu verwirklichen. Diese Verpflichtung ergibt sich aus der Regel der heiligen Franziskus von Assisi, die mit den Worten beginnt: „Das ist die Regel und das Leben der Minderen Brüder: das heilige Evangelium unseres Herrn Jesus Christus zu beobachten."

Zugang zum Klosterfriedhof
Die Geschichte des Klosters Münster
Vortrag von P. Prof. Dr. Leonhard Lehmann OFMCap, Rom
zum 150jährigen Bestehen vor dem Neutor.
Hier können Sie den Vortrag lesen.
Diese Website ist ein Projekt der deutschsprachigen Provinzen des Kapuzinerordens.